Whatever.

Hallo Freunde und Verwandte.

Ich weiß es ist nicht leicht mit mir und meinem komplett unregelmäßigen Blog schreiben, deswegen bin ich doch sehr froh das ihr so viel Geduld mit mir habt. Um nicht lange um den heißen Brei herum zu reden (hat sich eigentlich schon mal einmal einer von euch gefragt warum man um den "heißen Brei" herum redet?), dass hier wird nur eine Sammlung von extrem komischen, oder extrem guten Momenten sein, die passiert sind, seid ich das letzte mal von mir hören lassen habe.
Ich sitze also letztens in der Schule und wir reden über die Unwetter hier in Tampa. Es stürmt hier oft sehr stark (wir hatten sogar schon eine Tornado Warnung während ich hier war, von der jedoch niemand beeindruckt war, außer mir!), dazu kommt heftiger Regen. Da kann sich unser Nieseln in Deutschland echt schämen. Hier regnet es für drei, vier Stunden wie aus Eimern. Danach sind die Straßen komplett überflutet. Und die Sonne scheint auch wieder aus voller Kraft. Auf jeden Fall hatte es in dieser einen Nacht so sehr gestürmt, das einige aus meiner Klasse sogar aufgewacht sind nachts. Ich fang also locker flockig an zu erzählen, dass ich auch aufgewacht wäre, aber nur so halb. Und dann wäre mir eingefallen dass das Fenster offen wäre und ich extra aufstehen musste um es zu zu machen. Nachdem ich meinen Satz beendet habe starrten mich alle Mädchen um mich herum ungläubig an. Ich war zunächst etwas verunsichert und überlegte ob ich irgend ein Wort verwechselt haben könnte. Oder ob sie es so schlimm für mich fanden, dass ich extra aufstehen musste, um das Fenster zu schließen. Gerade wollte ich ein: "Es war nicht soo schlimm.", hinzufügen, als Z. sich zu Wort meldet. Langsam und deutlich, als wäre ich doof, oder als würde sie nach jedem Wort ein Punkt setzten, fragt sie mich: "Du.hast.dein.Fenster.nachts.offen.?" Ich überlegte im ersten Moment was genau daran so merkwürdig war und durch die Betonung und überhaupt alles hatte ich tatsächlich kurz das Gefühl das es völlig bescheuert war nachts sein Fenster aufzulassen. Also presste ich ein fragendes "Ja?" hervor. Z., M., und G. schütteln alle gleichzeitig den Kopf. M. sagt: "Oh giiirl.", G. lacht und nickt bestätigend. Z. sagt:"No, no, no, no, no." Ich bekomm kurz Panik. Ich versuche mir krampfhaft vorzustellen was genau am "mit offenem Fenster schlafen" denn so schlimm ist. Z. fragt mich ob ich spinne. Ich fühle mich tatsächlich so. „Wieso?", frage ich leise. Darauf hin bricht es aus allen durcheinander heraus. Ob das denn nicht offensichtlich sei. Es könnte jemand einbrechen. Und mich vergewaltigen. Und den Hund meiner Patentante umbringen. Und sie gleich mit. Und mich dann wahrscheinlich auch noch. Ich entspanne mich ein bisschen, weil ich weiß dass nicht ich spinne, sondern sie. Um sie zu beruhigen erkläre ich ihnen das ich im zweiten Stock wohne und dass das so ziemlich unmöglich wäre. Darauf hin schütteln meine Gegenüber nur den Kopf. Z. sagt noch mal: "Mach das nicht mehr, dem Vergewaltiger ist es egal in welchem Stock du wohnst." Okaaay. Alles klar!
Ein anderes Mal wollte ich mir etwas zu Abendessen kaufen und für Lunch am nächsten Tag in der Schule. Der Supermarkt ist auch nicht so weit weg und ich dachte ich könnte es als einen Stop in meinen täglichen Hundespaziergang einbauen. Ich laufe als gemütlich hinüber zum Supermarkt, binde den Hund davor an, gehe schnell einkaufen und laufe dann zurück nach Hause. Am Abend erzähle ich meiner Patentante wie brav Corvinus vor dem Supermarkt gewartet hat.
Wo liegt der Fehler?
Meine Patentante riss die Augen auf und fragte mich mit angsterfüllter Stimme: 'Du hast ihn vor dem Supermarkt angebunden und ihn da allein gelassen?' Ich sage dass ich halt kurz rein bin um einzukaufen, also ja, ich hätte ihn kurz alleine gelassen. Sie sagte mir dass ich das auf keinen Fall wieder machen könnte. Nie wieder! Ich war etwas verwirrt. "Wieso?", fragte ich also überrascht. Sie erklärt mir darauf dass die Hunde geklaut werden wenn man sie vor dem Supermarkt anbinden würden. Ich habe sie etwas ungläubig angeschaut, aber ich meine, hallo? Wer in Deutschland würde bitte einen Hund vorm Supermarkt klauen? Sie erklärt mir dass die Leute den Hund wenn er Reinrassig ist weiter verkaufen. Oder sie benutzen ihn um andere Hunde für den Hundekampf zu trainieren. So läuft das in Amerika. Auf jeden Fall bestreite ich meinen Weg zum Supermarkt jetzt immer ohne Hund.
Des weiteren war ich mit meiner Softballmannschaft auf einem Trip in Orlando. Wir hatten ein Hotel mit Pool gemietet und es wurde zu der Zeit gerade wärmer. Ich war also total aufgeregt und dachte ich könnte mich endlich bräunen, als meine Träume schmerzhaft zerstört wurden. Denn während Ms. H., mein Coach, weitere Instruktionen und Informationen begab, richtete sich Madison zu ihrer vollen Größe auf, bereit, meine Träume zu zerstören. "Vergesst nicht, dass ihr keinen Bikini tragen dürft." Mir klappt der Kiefer runter, mein Kopf schwingt in ihre Richtung. Ich will gerade sagen: Ach, rede doch jetzt keinen Scheiß. Da mischt sich unser Coach ein. "Ah, genau, danke Maddi. Bitte zieht einen Badeanzug an. Und versucht nicht mir zu erzählen dass ihr keinen Badeanzug habt." Ich zögere keine Sekunde, will meinen Traum noch nicht aufgeben: "Ich besitze keinen." Ms H schaut mich an. "Dann musst du Shorts und ein T-Shirt und Shorts anziehen. Danke Maddi, dass du mich erinnert hast." Maddi grinst selbstzufrieden. Ich schaue sie voller Trauer an. Maddi, ich dachte wir wären Freunde.
In Orlando war es dann aber ganz gechillt, bis auf die Sache mit Shorts und T-Shirt, das hat mich bisschen genervt, deswegen hab ich Rebell einfach ein weißes T-Shirt angezogen (haha). Das Wochenende verlief ziemlich gut, bis auf einen kleinen Zwischenfall, der mich ins Schwitzen kommen lief. An einem Abend wurden wir nachdem wir im Pool waren alle zusammen gerufen. Ich saß völlig ahnungslos in dem Zimmer unseres Coaches während alle Mädels um mich herum genau wussten was los ging (ist nicht so das mich jemand gewarnt hätte). Alle waren sehr aufgeregt und sagten mir voraus dass das super werden würde. Ich begann also auch zu lächeln und zu kichern. Das alles viel aber schlagartig von mir ab, als Ms. H. mit ihrer Bibel den Raum betrat. Das konnte schon mal nichts gutes bedeuten, zumindest nicht für mich. Von diesem Moment an verkroch ich mich in mein Eckchen des Raumes und versuchte krampfhaft unsichtbar zu werden. Denn es wurde schlimmer. Ms. Heath setzte sich und verkündete, dass wir jetzt unsere "liebsten Bibelverse" austauschen würden. Ich bekomme, ich gestehe es, einen kurzen Panikanfall, denke das geht so einmal im Kreis rum und habe mir schon vor gestellt das wenn ich an der Reihe bin, völlige Stille einkehrt und auf mein schüchternes:"Mir fällt gerade keiner ein.", alle in ein einstimmiges: "Verbrennt sie! Verbrennt sie!" verfallen würden. Aber im Gegenteil. Alle warfen wild Bibelverse in den Raum, völlig enthusiastisch. Ich warf, wenn mich jemand dabei direkt anschaute nur ein, wenig überzeugendes: "Ja, den find ich auch ganz gut!" ein. Ich war sehr froh als die ganze Sache beendet war und ich mich endlich in mein Bett legen konnte. Ich dachte dieser merkwürdige Abend wäre damit beendet, aber er wurde noch viel merkwürdiger. Wir hatten vierer Zimmer, jeweils zwei mussten sich ein Queen Bett teilen. Meine "in einem Bett schlafen Partnerin" drehte sich zu mir und fragte: "Do you know Mary?" Ich, ziemlich müde und nicht wirklich auf eine Konversation aus: "Mary who?" Sie erklärt mir, dass sie die Mutter von Jesus meint. Ich schaue sie einen Moment prüfend an, irgendwie habe ich das Gefühl das ist eine Fangfrage… aber mich fragen hier dauernd alle Leute komische Dinge, ob ich schon Mal einen Pool gesehen habe, oder ob wir in Deutschland auch andere Hunde als deutsche Schäferhunde hätten (als ich auf die Fragen ironisch mit Nein antwortete schnappten die Fragenden nach Luft und schrien überrascht: REALLYY?!). Also sage ich: "Klar." Die anderen zwei Lachen darüber und ich drehe mich auf die Seite. Da haut S. aber erst richtig rein. Sie fängt sich an mit M. im anderen Bett zu unterhalten. Sie leitet das Gespräch mit einem: "Weißt du was?!" Satz ein, was ja eigentlich noch vielversprechend sein kann. Aber der Rest macht gleich alles wieder kaputt. "Ich glaube Eva ist die meist gehasste Frau in Amerika. Wahrscheinlich sogar auf der ganzen Welt." (Eva von Adam und Eva.) Ich werde etwas hellhörig, drehe mich aber nicht zurück. M. scheint es auch nicht ganz zu verstehen und fragt, wie S. denn auf diese Idee kommt. "Ich meine, nur weil SIE den Apfel gegessen hat mussten wir aus dem Paradies. Und nur weil SIE den Apfel gegessen hat, bluten wir." Ich riss die Augen auf und starrte die Wand an. Ich versuchte mir einzureden dass das, was ich gerade gehört hatte nur eine Halluzination vor dem einschlafen gewesen war. Aber sie war es nicht. Und M. stimmte ihr auch noch zu. Ich lag da und dachte einfach nur, dass ich niemals geglaubt hätte, dass irgendjemand das WIRKLICH glaubt. Und wo zum Teufel (oh oh, lasst meine "Freunde" das bloß nicht hören) ich eigentlich gelandet bin.
Aber ich hatte in Orlando auch gute Momente. Die Softball Spiele haben Spaß gemacht und das Wetter war wirklich zum ersten Mal richtig gut und heiß. Wir waren in Disneyworld Downtown und in einem sehr coolen Restaurant. Ich hab mir einen üblen Sonnenbrand geholt, dabei war ich nur 15 Minuten ohne Sonnencreme in der Sonne.
Und sonst? Habe ich erwähnt dass nun ziemlich viele Menschen wissen, dass ich ungläubig bin? Ich glaube nicht. Ich hatte Sociology und wir haben über Marx geredet und darüber das er meinte, Religion sei Opium fürs Volk. Plötzlich fragt unser Lehrer auf jeden Fall, ob es hier jemanden in der Klasse gäbe, der ungläubig wäre und auch noch genug Mut hätte, es zu zugeben. Ich weiß nicht wieso, aber er starrt während er das fragt mich an. Ich habe mir das sogar nicht mal eingebildet, weil ein paar Leute sich zu mir umgedreht haben. Ich hatte richtig Schiss. Ich weiß nicht genau wo vor. Vielleicht das ich von der Schule geworfen werde, vielleicht das niemand mehr jemals ein Wort mit mir sprechen würde. Vielleicht hatte ich auch wieder die Vorstellung wie alle in ein einstimmiges: "Verbrennt sie, verbrennt sie!" verfallen würden. Ich überlegte also, ob es besonders intelligent wäre, mich zu outen. Währenddessen meinte mein Lehrer, wenn man ihn fragen würde, müsste er die Hand heben. Und er hob die Hand, ohne den Blick von mir abzuwenden. Ich wollte irgendwie nicht lügen. Und irgendwie fand ich es auch bescheuert so viel Angst zu haben. Also habe ich halt auch die Hand gehoben. Und plötzlich war es so totenstill in der Klasse. Ich habe ja noch nie so eine Stille erlebt. Jeder hat mich angestarrt. Ich hatte das Gefühl das sie sogar die Luft angehalten haben. Mein Lehrer schien die Anspannung entweder nicht zu spüren oder er ignorierte sie. Er fragte mich, ob ich an irgendwas glauben würde. Es war immer noch komplett still. Ich wusste nicht, ob ich lügen sollte, weil ich irgendwie das Gefühl hatte es wäre vielleicht ne gute Idee. Dann wollte ich sagen, dass ich halt an mich selbst glaube und an die Leute um mich herum. Aber dann dachte ich, dass das bestimmt eine Diskussion vom Zaun brechen würde. Also hab ich einfach: "No, not really." gesagt. Worauf hin Köpfe geschüttelt und empörte Worte ausgetauscht wurden. Aber da mein Lehrer relativ schnell und unbeeindruckt mit dem Unterricht fortgefahren ist, ging es relativ schnell vorbei. Und wenn sie noch darüber reden, dann so, dass ich es nicht mit bekomme…

Was ich noch gesehen habe: Ich bin letztens wieder zum Supermarkt gelaufen. Und auf dem Parkplatz steht so ein Auto, und plötzlich fährt das Dach vom Auto zur Seite, klappt einen Rollstuhl aus und positioniert ihn exakt neben der Fahrer Tür. Die Frau hievt sich aus dem Auto in den Rollstuhl. Ich hab glaube ich bisschen gestarrt, aber ich war so überrascht. Ich meine, das Dach bewegt sich zur Seite UND klappt einen ROLLSTUHL aus. Kein Scheiß!
Und habe ich erwähnt das jeder Lehrer einen eigenen, automatischen Stifte Spitzer hat?
Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

I'll be back.
Alina.

4.4.10 04:28

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